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Schulentwicklungsplan für den Lahn-Dill-Kreis (I)

Rede zum Schulentwicklungsplan (SEP) des Lahn-Dill-Kreises, in der 34. Kreistagssitzung am 26.10.2020, gehalten von Heinz SchreiberEhrenamtlicher Kreisbeigeordneter mit Geschäftsbereich, B’90/ Die Grünen.

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Frau Müller,

alle fünf Jahre ist laut hessischem Schulgesetz zu prüfen, ob eine Aktualisierung des aktuell gültigen Schulentwicklungsplanes aufgrund von Veränderungen und Entwicklungen vorgenommen werden soll bzw. muss.

Vor zwei Jahren haben wir den Schulentwicklungsplan für allgemeine allgemeinbildende Schulen inklusive der Förderschulen diskutiert und verabschiedet, nun steht die dritte Fortschreibung des Schulentwicklungsplans für die beruflichen Schulen im Lahn-Dill-Kreis zur Debatte.

Innerhalb des Kreisausschusses diskutieren wir über die Entwicklung in den beruflichen Schulen mit Blick auf einen Schulentwicklungsplan seit Ende 2017. Eingebettet war die Diskussion in eine landesweite, vom Kultusministerium angestoßene und begleitete Auseinandersetzung zu den Fachklassen allgemein und im Besonderen. Angesichts zurückgehender Schülerinnen- und Schülerzahlen bzw. Auszubildendenzahlen in einigen Ausbildungsbereichen stellte sich die Notwendigkeit, über die Bereithaltung von allen Angeboten an allen Berufsschulen nachzudenken. Ein wichtiges Kriterium war dabei auch die Entfernung zwischen Wohnort und Berufsschule.

Wir haben im Dezember 2017 mit einer ersten Arbeitssitzung von Schulträger, Staatlichem Schulamt, der Industrie- und Handelskammer Lahn-Dill, der Kreishandwerkerschaft Lahn-Dill sowie der Handwerkskammer Wiesbaden die Arbeiten am aktuellen Fortschritts- und Schulbildungsplanes begonnen und haben sie bis in die jüngere Zeit geführt.
In weit über 40 Sitzungen mit o.g. Akteuren und Schulleitungen, Innungen, Wirtschaftsbetrieben bestimmter Bereiche und mit den benachbarten Schuldezernent*innen aus der Region West (etwas mehr als Mittelhessen) sowie dem Kultusministerium wurden die Versuche unternommen, eine zukunftsweisende Entwicklung der beruflichen Schulen im Lahn-Dill-Kreis und gegebenenfalls Mittelhessens voranzutreiben.

Bei all diesen Diskussionen war es dem Kreisausschuss wichtig, die Interessen der einzelnen Akteure, aber auch vor allem die Interessen des Kreises, die sich u.a. aufgliedern in gesellschaftliche, bildungspolitische und wirtschaftliche Interessen, zu identifizieren und mit Blick auf Zukunftssicherheit in eine konkrete Schulentwicklung münden zu lassen. Hierbei kam es durchaus zu Unterschieden zwischen Kreisinteressen und Interessen der einzelnen Schulen oder anderer Akteure. Wir haben aber immer mit Argumenten versucht zu überzeugen, wurden auch überzeugt und haben dadurch viele Kompromisse und klare Zuschnitte erreicht.

Leider konnten wir unsere strategische Überlegung, nämlich ein Zentrum für das Ernährungshandwerk und den gesamten Hotel und Gaststättenbereich für ganz Mittelhessen an der Wetzlarer Käthe Kollwitz Schule zu installieren, nicht verwirklichen. Die jeweils vorhandenen individuellen Interessen der einzelnen Schulträger aus unserer Nachbarschaft standen dem entgegen. Das Angebot, ein komplett neues, EU Richtlinien entsprechendes hochmodernes, weil neu gebautes, Berufsschulzentrum für dieses Handlungsfeld zu schaffen, das allen Anforderungen der mittleren Zukunft standhalten würde, konnte unsere Nachbarn nicht überzeugen.

Immerhin resultierte aus den Gesprächen die sogenannte Wetzlarer Erklärung, die ein Angebot an die Region Rhein-Main beinhaltet. Das Angebot sah vor, dort vorhandene beengte Verhältnisse, eingeschränkte Schulverfügbarkeiten auszugleichen durch ein Angebot in Mittelhessen, wo Auszubildende und Schüler*innen aus der Metropolregion ausreichend Platz in unseren Schulen finden sollten. Bis heute ist dieses Angebot nicht diskutiert, geschweige denn angenommen worden.

Zurück zu unserem Schulentwicklungsplan.

Die Leitorientierung für diesen Schulentwicklungsplan beinhaltet: Nach Möglichkeit sollen alle gewünschten Ausbildungsgänge im Lahn-Dill-Kreis in unseren beruflichen Schulen angeboten werden. Da der Lahn-Dill-Kreis ein großer Flächenkreis ist, gegebenenfalls auch doppelt, also durchaus im Norden und im Süden des Kreises.

Wenn die Schüler*innenzahl nicht ausreicht, sollte mindestens ein konzentriertes Angebot im Kreisgebiet erfolgen. Weiterhin war das Ziel, die Profile der einzelnen Schulen deutlicher herauszuarbeiten und Bereinigungen bei Mini-Schüler*innenzahlen in einzelnen Ausbildungsbereichen vorzunehmen.
Aus Sicht des Kreisausschusses ist uns dies gut gelungen. Dass nicht alles jedem einzelnen Akteur geschmeckt hat, werte ich als ein Zeichen, dass wir keine wirklichen Gewinner und Verlierer haben. Wir glauben, dass dieser Plan ein großes Maß an Zukunftssicherheit bietet.

Lassen Sie mich bitte an dieser Stelle auch noch auf folgendes hinweisen: Wie sagte unlängst jemand, einen solchen Umfang an Investitionen in berufliche Schulen hat es vorher noch nicht gegeben und wird es nachher, später auch nicht mehr geben. In die kaufmännischen Berufsschulen in Dillenburg haben wir bisher ca. 18 Million € investiert, bei den gewerblichen Schulen in Dillenburg gehen wir auf die 25 Millionen zu, die Theodor Heuss Schule in Wetzlar weist ein Investitionsvolumen von ca. 30 Million € auf, die Käthe Kollwitz Schule wird voraussichtlich einen Neubau bekommen, der uns 20 Millionen € kosten wird. Die Werner von Siemens Schule wird die eine oder andere Sanierung in den nächsten Jahren erhalten.

Meine Damen und Herren, wenn sie dies hören, dann wissen Sie, dass den Kreisgremien die beruflichen Schulen teuer und wert sind. Dazu braucht es einen geeigneten Schulentwicklungsplan, der dies mit einem zukunftsweisenden Rahmen versieht. Und den legen wir Ihnen nun zur abschließenden Beratung und zur Beschlussfassung vor.

Am 29. Juni wurde er in den Kreistag im Entwurf eingebracht, nachdem er zuvor im Kreisausschuss und weiteren Ausschüssen in Kürze vorgestellt wurde. Anschließend wurden die gesetzlich vorgesehenen Stellungnahmen von relevanten Institutionen erbeten, wir sind dabei über die geforderte Beteiligung weit hinausgegangen, haben alle gesichtet und aufgelistet. Auf ausdrückliche Bitten des Schulausschusses wurden die Stellungnahmen den Gremien zur Verfügung gestellt, inklusive eines Vorschlags des Kreisausschusses zum Umgang mit den im Rahmen der Anhörung geäußerten Bedenken und Hinweise. Dies haben wir im August diesen Jahrs getan und dies war nun Gegenstand der Diskussionen, vor allem in der letzten Woche. Nahezu alle Fraktionen haben dazu Gespräche mit den Schulen geführt.

Ein strittiger Aspekt im Plan war der Prüfauftrag mit Blick auf die Käthe Kollwitz Schule und dem Bereich Sozialwesen. Darüber wird ja nachher noch zu sprechen sein.

Ich will an dieser Stelle kurz deutlich machen, was der Auftrag eines Schulträgers in diesem Handlungsfeld sein wird. Also, was heißt denn Prüfauftrag?

  • Es gilt nachzudenken über Schwerpunktbildungen an den beiden Schulen im Bereich Sozialwesen bzw. Erzieher*innen-Ausbildung
  • Kann es Spezialisierungen geben, die sich aufgrund von neuen Entwicklungen anbieten?
  • Können Kooperationen zwischen den beiden Schulen sinnvoll sein? Welche könnten das sein?
  • Was ermöglichen äußere Rahmenbedingungen wie Räume, Ausstattungen aber auch externe Zusammenarbeiten und Verankerungen an der einen wie der anderen Schule?
  • Gibt es Entwicklungen, die die Konzentrationen von Aufgaben an einer Stelle erfordern?

Entlang dieser Fragestellungen und sicherlich weiterer wird ein Prüfauftrag durch den Schulträger im Sinne von möglichen Optimierungen zu bearbeiten sein.

Durch diesen Prüfauftrag sind viele Emotionen und Zweifel entstanden, die hoffentlich heute ausgeräumt werden können.

Ich bedanke mich bei der Schulabteilung und der Schulbauabteilung in ihrer Gänze, bei der Abteilungsleiterin Frau Vetter, ihren Mitarbeiterinnen Frau Gröschen und Frau Funk im Besonderen sehr herzlich; ich danke für ihr hoch motiviertes und stets am Interesse der Schülerinnen und Schüler orientiertes Engagement und die viele Arbeit die sie geleistet haben. Dies geht weit über normales Verwaltungshandeln hinaus und verdient besondere Anerkennung.

Auch bedanke ich mich ausdrücklich bei den Leitungen aller Berufsschulen für den wertschätzenden und konstruktiven Umgang miteinander und für das sachliche Ringen um den besten Weg. Dies kann ich erweitern auf das Staatliche Schulamt und alle anderen am Prozess beteiligten Akteure.

Nun hoffe ich auf eine sachliche, konstruktive und am Wohl der Schülerinnen und Schüler sowie des Kreises orientierte Beratung und Beschlussfassung.

Vielen Dank.

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