Cradle to Cradle – Ein Kreislaufwirtschaftssystem zum Erhalt der Ressourcen

Foto: Pixabay

 

Rede zum Thema „Cradle to Cradle“ in der Kreistagssitzung am 12.12.2016, gehalten von Martina Klement, Fraktionsvorsitzende B’90/Grüne, Mitglied des Kreistages.

Sehr geehrte Frau Vorsitzende,
sehr geehrte Damen und Herren!

Im März 2014 lud die IHK Dillenburg ein zur Vortragsveranstaltung „Cradle to Cradle“ – von Produkten, die der Umwelt nützen. Das hat mich als Grüne natürlich angesprochen und neugierig gemacht und so bin ich natürlich hingegangen. Von Cradle to Cradle hatte ich noch nie was gehört und ich war schon beeindruckt von dem, was ich dann dort hörte.

Cradle to cradle (C2C) heißt übersetzt von der Wiege zur Wiege, ist in den USA unter maßgebender Regie des deutschen Chemikers Prof. Dr. Michael Braungart entstanden.

Unser grüner Kollege Günther Kaufmann-Ohl meinte zwar anfangs, schöne Idee, aber unter dem Namen C2C wird sich das nie durchsetzen. Da hat sich aber viel getan und der Begriff C2C ist mittlerweile etabliert.

Was steckt dahinter?
Die für Produkte genutzten Materialien werden so entwickelt, dass sie nach der Nutzungsphase wieder vollständig in den Kreislauf zurückkehren können. Abfall gibt es nicht mehr.

Man unterscheidet hierbei 2 Kreisläufe, den biologischen und den technischen.

Im biologischen Kreislauf gibt es Produkte aus biologischen Stoffen wie Baumwolle und Holz. Sie werden nach dem C2C-Konzept absolut schadstofffrei hergestellt, sind damit nach der Gebrauchsphase restlos biologisch abbaubar und werden zu „Nährstoffen“ für neue Pflanzen.

Im technischen Kreislauf werden die Materialien ohne Qualitätsverlust immer wieder recycled. Sie werden nach ihrer Nutzung in sortenreine Ausgangsstoffe zerlegt und wieder dem Kreislauf zugeführt. Das bisher übliche „Downcycling“ von Produkten, bei dem die Qualität bei jedem Schritt abnimmt, wird vermieden. Müllverbrennungsanlagen und Mülldeponien gibt es in dem C2C-System nicht mehr. Eine Welt ohne Abfall.

Selbst oder gerade die Abfallwirtschaft des Lahn-Dill-Kreises sieht darin den richtigen Weg. Heinz Schreiber und Herr Dworaczek luden deshalb den Entwickler des C2C-Konzepts Prof. Dr. Braungart vor gut einem Jahr (am 23.11.2015) hier nach Wetzlar ins Kreishaus ein. Auch an diesem gut besuchten Vortrag habe ich teilgenommen und fand wieder ein breites Besucherspektrum vor.

Das Thema wurde im Sommer (am 29.06.2016) durch einen weiteren Vortrag unterstützt. Unser grüner 1. Kreisbeigeordneter Heinz Schreiber lud nun gezielt die Bauwirtschaft ein. Thema: „Für kreislauffähig, flexible, werthaltige und gesunde Immobilien im Lahn-Dill-Kreis“

Den Vortrag hielt Herr Valentin Brenner, der Leiter des Expertenteams C2C der Firma Dress & Sommer Advanced Building Technologies in Stuttgart, also ein Fachmann mit Erfahrung.

Zahlreiche Architekten, Vertreter der Bauabteilung und weitere interessierte Bürger folgten dem interessanten Vortrag und beteiligten sich rege an der anschließenden Diskussion. Bedenken wurden lediglich bezüglich höherer Baukosten geäußert.

Die Kosten muss man sicher im Blick haben, aber sie müssen über die gesamte Lebensdauer des Produkts beurteilt werden. Einige der C2C-Produkte sind bereits jetzt bezüglich der Kosten absolut konkurrenzfähig. Außerdem wird sich der Markt bewegen.

Andere Kritiker meinen, dass Konzept lasse sich nur schwer realisieren. Da zeigen sich aber an ganz vielen Stellen neue Entwicklungen. Der US-Bundesstaat Kalifornien und die Niederlande gelten als C2C-Vorreiter. Produkte mit dem C2C-Siegel gibt es mittlerweile weltweit Hunderte. Und jedes einzelne Produkt bringt uns weiter.

Das C2C-Konzept wurde im November 2016 sogar auf der 15. Architektur-Biennale in Venedig gezeigt. Dazu gab es dazu in der Frankfurter Rundschau einen großen zweiseitigen Artikel, versehen mit den Überschriften: „Die Zukunft der Bauwirtschaft“ und „Damit kann man Geld verdienen“

Tatsächlich gibt es Bewegung in der Baustoffindustrie. Fast in allen Produktbereichen gibt es C2C-Alternativen– ob Dachziegel oder Dämmstoff, ob Parkett oder Teppichboden.

Auch in Deutschland gibt es bereits einzelne Neubauprojekte, die sich mehr oder minder stark am C2C-Konzept orientieren. Große Bau-Projektierer sehen in dem Konzept die Zukunft. Der Neubau wird zum Rohstofflager. Es entstehen nicht nur besonders nachhaltige, sondern auch besonders werthaltige Gebäude.

Die bereits existierende Rohstoffknappheit wird sich in den nächsten Jahren immer weiter zuspitzen. Studien zeigen, dass Rohstoffe für Aluminium, Stahl, aber auch Kunststoff nur noch zwischen 50 und 100 Jahre verfügbar sind. Da ist es nur vernünftig, Rohstoffe nachhaltig zu nutzen und rechtzeitig umzudenken.

Für nachfolgende Generationen wird das C2C-Konzept wohl selbstverständlich seinund man wird verständnislos auf uns zurückblicken, die wir noch unvernünftig gebaut haben. Lassen Sie uns also den Wechsel zum C2C-Konzept im Lahn-Dill-Kreis anstoßen.

Uns Grünen wirft man ja vor, dass wir uns gerne kasteien, indem wir ökologisch korrekt vermindern, vermeiden, minimieren, reduzieren, begrenzen. Das müssen wir hier nicht. Wir können hier verschwenderisch leben, weil wir die richtigen Produkte entwickeln und nutzen. Genau das liefert uns das C2C-Konzept und wir sollten mit dem Umdenken und Neudenken beginnen.

Ich bitte um Zustimmung zum vorliegenden Antrag.

Vielen Dank

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