
Umwelt- &
Naturschutz

Landschaften pflegen und Arten schützen
Der Schutz der biologischen Vielfalt und der verschiedenen Lebensräume ist neben der Klimakrise die größte ökologische Herausforderung unserer Zeit. Eine intakte Umwelt ist unsere Lebensgrundlage und Voraussetzung für ein gesundes Leben. Biodiversität ist die Basis für saubere Luft und klares Wasser. Wir Menschen brauchen die biologische Vielfalt, wir tragen deshalb die Verantwortung für sie.
Artenschutz umfasst alle Arten von Tieren und Pflanzen sowie deren Lebensräume. Flüsse und Bäche im Lahn-Dill-Kreis sollen durch das Landesprogramm „100 Wilde Bäche für Hessen“, das EU-Projekt „Living-Lahn“ und aus Mitteln der Ersatzgelder renaturiert werden. Der Kreis muss die Kommunen hierbei unterstützen.
Der heimische Wald als Erholungs- und Naturraum muss in Zeiten des Klimawandels besonders geschützt werden. Alte Habitatbäume und Waldbereiche ohne Holznutzung sind notwendig für bedrohte Vogelarten und die Wildkatze, die sich gerade wieder im Landkreis ansiedelt.
Für viele Ökosystemleistungen, aber auch die Landwirtschaft und damit unsere Ernährung, sind Insekten unverzichtbar. Durch die Bestäubung fast aller Wild- und Kulturpflanzen tragen sie maßgeblich zu deren Vermehrung bei. Insektenvielfalt ist deshalb ein Teil unserer Lebensgrundlage und ihr Schutz unverzichtbar. Es müssen vermehrt Landschaftsschutzgebiete ausgewiesen werden. Weiter müssen Wälder mit alten Baumbeständen zu Kernflächen ausgewiesen werden, in denen kein Holz geschlagen werden darf. Die Naturschutzverbände sind einzubinden.
Die Landschaftspflegevereinigung (LPV), deren Gründung im Jahr 2015 von uns GRÜNEN federführend angestoßen und umgesetzt wurde, ist ein wichtiger Akteur im Kreis, um nachhaltigen Naturschutz zu praktizieren. In ihr arbeiten Landwirtschaft, Naturschutz und Kommunen zusammen an Projekten zum Erhalt und zur Sanierung bedrohter Biotope und dem Arterhalt. Wir setzen uns dafür ein, dass unsere Kommunen die Zusammenarbeit mit der LPV weiter ausbauen und Naturschutzprojekte vorantreiben.
An kreiseigenen Gebäuden soll der Artenschutz z. B. durch das Anbringen geeigneter Nisthilfen und die Berücksichtigung des Naturschutzes bei Baumaßnahmen weiter gefördert werden. Auch hierfür steht der LPV als Partner zur Verfügung. Wir fordern des Weiteren die Erstellung eines artenschutzfachlichen Lichtkonzeptes, um Lichtverschmutzung an kreiseigenen Gebäuden zu vermeiden. Die kreisangehörigen Kommunen sollen bei der Umsetzung solcher Beleuchtungskonzepte unterstützt und beraten werden.

Landwirtschaft unterstützen – Ökologische Landwirtschaft stärken
Regionale Ernährung ist nachhaltig, deshalb wollen wir GRÜNE die Landwirtschaft im Kreis unterstützen. Landwirtschaftliche Flächen sollen erhalten werden. Das heißt bei Bebauung den Grundsatz “Innen vor Außen” zu beachten. Regionale Raumordnungspläne müssen hierauf angepasst werden. Ökologische Landwirtschaft legt besonderen Wert darauf im Einklang mit Menschen, Tieren und natürlichen Ressourcen zu wirtschaften. Der Lahn-Dill-Kreis liegt mit einem Anteil von 36% Ökolandbau an der Spitze Deutschlands. Dabei werden hochwertige Lebensmittel umweltverträglich erzeugt und die natürlichen Produktionsgrundlagen wie Böden, Artenvielfalt und Gewässer bleiben langfristig erhalten. Wir wollen uns dafür einsetzen, dass es sich für ökologisch produzierende Landwirt*innen lohnt, im Haupterwerb zu bleiben. Deshalb stärken wir regionale Wertschöpfung und setzen uns dafür ein, dass die Vermarktung regionaler und ökologischer Produkte aus dem
Lahn-Dill-Kreis gefördert wird. Das ist auch Aufgabe der Ökomodellregion Lahn-Dill-Gießen. Wir fordern, dass die Modellregion weitergeführt und gefördert wird. Das Projekt Nah.Land.Küche, das darauf abzielt, mehr regionale Bio-Produkte für das Schulessen zu erzeugen, muss ausgeweitet werden und möglichst auch in Kindertagesstätten und Krankenhäusern etabliert werden. Aber auch klassisch wirtschaftende landwirtschaftliche Betriebe wollen wir dabei unterstützen, ressourcenschonender und umweltfreundlicher anzubauen und zu ernten. Weiter unterstützen wir unsere Landwirt*innen bei der Umsetzung von Vertragsnaturschutz – dazu gehören beispielsweise Lerchenfenster und Blühstreifen – sowie bei der naturschutzgerechten Bekämpfung von Giftpflanzen wie Lupine und Jakobskreuzkraut an den Wegrändern kommunaler Wege und an kommunalen Flächen.

Gewässerschutz
Lahn und Dill - namensgebend für unseren Landkreis – sind die prägenden Gewässer in der Region. Ihre Lebensräume mit einzigartigen Auen sind besonders schützenswert. Sie werden von zahlreichen kleinen Bächen gespeist, die wesentliche Funktionen in der intakten Natur übernehmen. Im Umfeld der natürlich gebliebenen oder renaturierten kleineren und größeren Gewässer ist die Artenvielfalt besonders hoch. Hier entstehen durch die Bäche wichtige Verbindungen zwischen verschiedenen Lebensräumen. Wir GRÜNE wollen zum Schutz dieser Gewässer beitragen und uns für ihre Renaturierung einsetzen.
Wir fordern des Weiteren die Wiederaufnahme des Projektes zur Einrichtung eines Hochwasserzweckverbandes im Lahn-Dill-Kreis, denn auch wenn die Auenlandschaften der Flüsse und Bäche einen natürlichen Hochwasserschutz bilden, reicht das nicht mehr aus, um die Auswirkungen des Klimawandels in Form von Starkregenereignissen abzupuffern.

Ökologie im Siedlungsgebiet
Versiegelungen des Bodens wirken sich negativ auf das Klima aus. Der beste Schutz vor Wasser- und Winderosion ist ein Boden, der das ganze Jahr über mit Pflanzen oder Pflanzenrückständen bedeckt ist. Wo Boden versiegelt wird, kann er seinen Aufgaben wie z. B. dem Filtern und Speichern von Wasser nicht mehr nachkommen. Alle Flächen, auf denen Bewuchs nicht möglich ist, sind für die Natur verloren, denn für die meisten Tiere und Pflanzen bieten sie keine Nahrung und keinen Lebensraum. Der Erhalt des Bodens ist deshalb für Klimaanpassung und Siedlungsentwicklung von zentraler Bedeutung.
Wir GRÜNE setzen uns für die Entsiegelung von Flächen ein und fordern die Reduktion des Flächenverbrauchs auf ein Minimum. Die bisher festgelegten Ausgleichsmaßnahmen müssen überprüft, optimiert und weiter ausgebaut werden.

Abfallvermeidung
Die Abfallwirtschaft Lahn-Dill (AWLD) ist Eigenbetrieb des Lahn-Dill-Kreises und Ansprechpartner für alle Fragen rund um das Thema Abfallentsorgung. Bereits seit 1997 organisiert sie erfolgreich die Abfallwirtschaft im Lahn-Dill-Kreis (Ausnahme: Stadt Wetzlar). Wir GRÜNE wollen den Eigenbetrieb stärken und dafür sorgen, dass der Abfall zukünftig regional behandelt wird, statt ihn in weit entfernte Behandlungsanlagen (Beispiel Hausmüll: derzeit ca. 170 km) zu transportieren. Es soll geprüft werden, ob durch eine Beteiligung der AWLD an regionalen Anlagen oder dem Bau eigener Behandlungsanlagen für Hausmüll und Sperrmüll eine sowohl wirtschaftlichere als auch ökologischere Entsorgung möglich ist. Bioabfälle sollen in einer Vergärungsanlage zur Produktion von Biogas verwendet werden. Hierbei soll auch die Zusammenarbeit mit den benachbarten Kreisen geprüft werden.
Des Weiteren setzen wir uns dafür ein, die Abfuhr wieder vollumfänglich von der AWLD durchführen zu lassen, statt einzelne, externe Unternehmen damit zu beauftragen, denn die Erfahrungen der letzten Jahre zeigen, dass die Abfuhr nicht immer regelmäßig und zuverlässig gewährleistet ist. So wollen wir wieder einen besseren Zugriff und eine reibungslosere Abfuhr für die Bürger*innen des Lahn-Dill-Kreises realisieren.
Das Abfallwirtschaftszentrum Aßlar soll weiter ausgebaut und mit einer Photovoltaikanlage sowie Batteriespeicher ausgerüstet werden. Das Ziel ist, den Strom in Fahrzeugen der AWLD (die Flotte sollte schnellstmöglich auf rein elektrischen Antrieb umgestellt werden), des Kreises und ggf. anderer Nutzer*innen wie beispielsweise örtliche Logistikfirmen, zu nutzen. Die Einbindung von bidirektionalem Laden und die Nutzung von Wechsel-Akkus soll die Nutzung des eigenproduzierten Stroms zusätzlich erhöhen und Stromerlöse generieren. Diese wirken sich zukünftig positiv auf die Abfallgebühren aus.

Tierschutz
Der Schutz der Tiere ist für uns ein wichtiges politisches und gesellschaftliches Anliegen. Die Aufnahme des Tierschutzes als Staatszielbestimmung ins Grundgesetz verpflichtet auch Kreis und Kommunen, sich für den Schutz der Tiere einzusetzen. Wir engagieren uns daher für ein stärkeres Tierwohlbewusstsein sowie für die Unterstützung von Tierheimen und Tierschutzverbänden. Wir wollen erreichen, dass die artgerechte Haltung von Tieren Normalität wird.
Für den Tierschutz – und auch für die Lebensmittelüberwachung – im Lahn-Dill-Kreis sind die Amtstierärzt*innen des Kreisveterinäramts verantwortlich. Die Möglichkeiten, auf kommunaler und Kreisebene dafür zu sorgen, dass Tiere vor Verwahrlosung, Misshandlung oder Missbrauch geschützt werden, sind also gegeben. Für den bestehenden Bedarf an Maßnahmen zur Vorsorge und zum Tierschutz sind die personellen und finanziellen Mittel allerdings zu gering. GRÜNE Tierschutzpolitik hat deshalb zum Ziel, umfassende Möglichkeiten zu entwickeln und zügig umzusetzen, die die ehrenamtlich im Tierschutz Engagierten vor Ort untereinander koordinieren und unterstützen und gleichzeitig die Zusammenarbeit mit dem Veterinäramt gewährleisten.